Ja, so ist es. Der Vorhang geht auf. Alle schauen gebannt auf die Bühne. Die Ouvertüre, musikalische Einführung, hat bereits in uns die Spannung erhöht. Die Aufmerksamkeit ist auf das Geschehen gerichtet. Wir dürfen wie Kinder sein: Staunen, etwas Neues entdecken, Lernen, Mitbangen, Mitfühlen.
Ich bin im Theater in München. Mozart “Die Zauberflöte”, ein Märchen für Erwachsene. Märchen sagen ja oft die Wahrheit. Hier geht es um das Erwachsenwerden, Reife zu erlangen. Und der Weg zum Erwachsenwerden ist ja bekanntlich nicht so einfach. Damit ist ja auch gemeint, die Verantwortung für das eigene Leben in die Hand zu nehmen. In der Aufklärung heisst es: Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Schärfe deinen Verstand.

Die Bühne öffnet sich.
Tamino, ein junger Prinz, hat sich im Wald verirrt. Er ist verängstigt. Sein Auftrag wird sein, die entführte Prinzessin zu erlösen.
Natürlich spielt eine KÖNIGIN der NACHT eine machtvolle Rolle. Das zeigt sie schon mit ihrem stimmgewaltigen Sopran.
Wie in jedem Märchen muss ein junger Prinz Prüfungen bestehen, damit er würdig ist, die Prinzessin zu gewinnen.
Sarastro steht für den Meister der Weisheitslehre. Zu ihm führt man  Tamino.
Tamino wird nun die Prüfung auferlegt, und zwar folgende Tugenden:

Duldsamkeit, Standhaftigkeit und Verschwiegenheit.

Tamino soll auf die Probe gestellt werden. Dass dies nicht so leicht ist, erfahren wir durch seinen Freund.
Papageno, sein Weggefährte,  hat nicht so viel Sinn für die Anstrengungen des Lebens. Die Tugenden geben ihm keinen Gewinn. Ihm reichen: Nahrung, Auskommen und eine Frau, die ihn liebt, so wie er ist.
Tamino hingegen ist bemüht und möchte die Tugenden erlernen. Er nimmt etwas auf sich, er stellt sich den Gefahren. Überall lauern Tücken, er besiegt sie. Er verinnerlicht die Tugenden. Er beweist, dass er über die Hindernisse im Leben zur Reife gelangt ist. Mit dem feierlichen Initiatonsritus wird Tamino gebührend belohnt.

“Sei duldsam, standhaft und verschwiegen” singen die drei Knaben auf der Bühne.
Diese Botschaft hat mich in den Bann gezogen. Und ich nehme sie mit nach Hause, als ich beglückt das Theater verlasse. Die Musik von Mozart in der Zauberflöte ist so grandios, so vielseitig. Emotional in den Arien, wo die Gefühle sprechen. Der gewaltige Machthunger der dunklen Königin, den man in “Der Hölle Rache” spürt. Dann wieder getragen und würdevoll, als es um die Initiation zur Erkenntnis der Weisheit geht.
Sei duldsam heißt: nicht immer zu klagen, sich nicht immer missverstanden zu fühlen, auch einmal eine Ungerechtigkeit wegzustecken. Vertrauen.
Sei standhaft heißt: sich nicht beeinflussen lassen, die eigenen Werte mutig vertreten, Courage  zeigen, Durchhalten.
Sei verschwiegen heißt: im richtigen Moment schweigen, abwarten können. Vieles klärt sich von selber, mit Verschwiegenheit verhindert man, jemandem zu schaden.

Vielleicht ist es ein guter Tipp, in eine Aufführung nicht als Kritiker zu gehen,
Stimmen zu vergleichen, zu bewerten. Hingehen, und wie ein Kind das Märchen mit dieser grandiosen Musik erleben und selbst daran wachsen.

 

Vielen Dank,
Aniko

 

Die Premiere ZAUBERFLÖTE wird  am Trierer Theater sein: am 20.05.2018