Nun ist es wissenschaftlich belegt, dass das regelmäßige Üben von Yoga zu einem gesünderen, glücklicheren Leben führt. Dieses wertvolle Video möchte ich mit euch teilen als Inspiration und Motivation für eure Praxis.
Auch wenn Yoga eine sehr individuelle (Selbst-)erfahrung ist, kann es einen großen Nutzen für unsere Gesellschaft geben, wenn Schulmedizin und Politik die positiven Effekte von Yoga für unsere Gesundheit anerkennen und fördern.

Alles Liebe
Aniko

Pünktlich um 0:00 Uhr am 1. Januar werden wir begrüßt, von dem Neuen Jahr. Wir schreiben das Jahr 2019. Wir werden von Freunden und Menschen, die uns jetzt begegnen, ganz besonders und mit den besten Wünschen bedacht. Wir fühlen uns ihnen gleich mehr verbunden. Ja, wir sind alle in der gleichen Situation, und das tut gut. Wir alle werden ein Jahr älter.

Die Kleinsten in unseren Familien und in unseren Freundeskreisen wachsen und lernen, und wir schauen begeistert zu, wie sie laufen lernen, sprechen lernen, wie sie beginnen, mit den anderen zu kommunizieren. Es kommt uns vor wie ein ganz großes Wunder. Ja, das ist es auch.
Wir haben uns nur schon daran gewöhnt, dass wir so weit von diesen “ersten Schritten” entfernt sind.
Machen wir nicht täglich auch “erste Schritte”? Im Alter werden es die ersten Schritte sein, die wir mit Achtsamkeit ausführen, um unsere physische Stabilität zu halten. In der Jugend, die ersten Schritte, die wir mit Wagnis verbinden.

Im täglichen Leben sind es die ersten Schritte, sich immer wieder auch für Neues zu öffnen, neu zuzuhören, neu hinzuschauen. Wenn ich auf Menschen zugehe, sind es die ersten Schritte, ja, die ersten Worte, die eine freundliche, wohlwollende Stimmung hervorrufen können. Jeder Tag ist ein Neubeginn.

Mir persönlich sind in den letzten Tagen Menschen begegnet, die mich bereichert haben. Ich habe sie sprechen hören, und die Worte haben mich erreicht. Ich habe ein Buch gelesen, weil mir ein Freund mit so viel Wärme und Herz das Buch in die Hand gegeben hat. Und ich habe darin, unerwartet, soviel Neues entdeckt. Es lohnt sich, den heutigen Tag als ganz neu zu sehen. Offen zu sein, zuhören zu können.

Eine große Dankbarkeit erfüllt mich.

Ich wünsche euch ein erfülltes Neues Jahr 2019
Aniko

Ja, so ist es. Der Vorhang geht auf. Alle schauen gebannt auf die Bühne. Die Ouvertüre, musikalische Einführung, hat bereits in uns die Spannung erhöht. Die Aufmerksamkeit ist auf das Geschehen gerichtet. Wir dürfen wie Kinder sein: Staunen, etwas Neues entdecken, Lernen, Mitbangen, Mitfühlen.
Ich bin im Theater in München. Mozart “Die Zauberflöte”, ein Märchen für Erwachsene. Märchen sagen ja oft die Wahrheit. Hier geht es um das Erwachsenwerden, Reife zu erlangen. Und der Weg zum Erwachsenwerden ist ja bekanntlich nicht so einfach. Damit ist ja auch gemeint, die Verantwortung für das eigene Leben in die Hand zu nehmen. In der Aufklärung heisst es: Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Schärfe deinen Verstand.

Die Bühne öffnet sich.
Tamino, ein junger Prinz, hat sich im Wald verirrt. Er ist verängstigt. Sein Auftrag wird sein, die entführte Prinzessin zu erlösen.
Natürlich spielt eine KÖNIGIN der NACHT eine machtvolle Rolle. Das zeigt sie schon mit ihrem stimmgewaltigen Sopran.
Wie in jedem Märchen muss ein junger Prinz Prüfungen bestehen, damit er würdig ist, die Prinzessin zu gewinnen.
Sarastro steht für den Meister der Weisheitslehre. Zu ihm führt man  Tamino.
Tamino wird nun die Prüfung auferlegt, und zwar folgende Tugenden:

Duldsamkeit, Standhaftigkeit und Verschwiegenheit.

Tamino soll auf die Probe gestellt werden. Dass dies nicht so leicht ist, erfahren wir durch seinen Freund.
Papageno, sein Weggefährte,  hat nicht so viel Sinn für die Anstrengungen des Lebens. Die Tugenden geben ihm keinen Gewinn. Ihm reichen: Nahrung, Auskommen und eine Frau, die ihn liebt, so wie er ist.
Tamino hingegen ist bemüht und möchte die Tugenden erlernen. Er nimmt etwas auf sich, er stellt sich den Gefahren. Überall lauern Tücken, er besiegt sie. Er verinnerlicht die Tugenden. Er beweist, dass er über die Hindernisse im Leben zur Reife gelangt ist. Mit dem feierlichen Initiatonsritus wird Tamino gebührend belohnt.

“Sei duldsam, standhaft und verschwiegen” singen die drei Knaben auf der Bühne.
Diese Botschaft hat mich in den Bann gezogen. Und ich nehme sie mit nach Hause, als ich beglückt das Theater verlasse. Die Musik von Mozart in der Zauberflöte ist so grandios, so vielseitig. Emotional in den Arien, wo die Gefühle sprechen. Der gewaltige Machthunger der dunklen Königin, den man in “Der Hölle Rache” spürt. Dann wieder getragen und würdevoll, als es um die Initiation zur Erkenntnis der Weisheit geht.
Sei duldsam heißt: nicht immer zu klagen, sich nicht immer missverstanden zu fühlen, auch einmal eine Ungerechtigkeit wegzustecken. Vertrauen.
Sei standhaft heißt: sich nicht beeinflussen lassen, die eigenen Werte mutig vertreten, Courage  zeigen, Durchhalten.
Sei verschwiegen heißt: im richtigen Moment schweigen, abwarten können. Vieles klärt sich von selber, mit Verschwiegenheit verhindert man, jemandem zu schaden.

Vielleicht ist es ein guter Tipp, in eine Aufführung nicht als Kritiker zu gehen,
Stimmen zu vergleichen, zu bewerten. Hingehen, und wie ein Kind das Märchen mit dieser grandiosen Musik erleben und selbst daran wachsen.

 

Vielen Dank,
Aniko

 

Die Premiere ZAUBERFLÖTE wird  am Trierer Theater sein: am 20.05.2018

Wer hat diesen Satz nicht schon einmal gehört? Ja, wir haben eine Vision, ein Buch möchten wir lesen. Ein besonders Buch soll es sein. Wir hüten diese Vision wie einen Schatz. Die Insel steht jedoch in weiter Ferne.

Was hindert uns daran, eine “Insel” im Alltag zu suchen? Es fehlt uns die Zeit. Es fehlt uns die Ruhe, sagen wir. Das ist richtig. Lesen hat eine ganz andere Dynamik. Beim Lesen gibt es nicht die Eile. Lesen kann nicht beschleunigt oder verkürzt werden.

Also brauchen wir die Insel doch? Brauchen wir die Langeweile?

Hier und jetzt beginnen, heißt es im Yoga. Warum nicht auch bei meinem Vorhaben, endlich das Buch zu lesen? Ich wollte es doch schon immer. Das Buch wartet förmlich auf mich.

Das Buch hat zu viele Seiten. Die Handlung ist zu kompliziert, das Lesen zu beschwerlich. Vielleicht interessiert mich das Thema gar nicht. Und dann die Frage, bringt es mir etwas? Wie kann ich das vorher wissen?

Es ist für mich nicht das Thema, das mich am Lesen fesselt. Beim Lesen erfahre ich mich selbst. Wie geht es mir, wenn ich auf etwas ganz Unbekanntes stoße? Wie kann ich mich innerlich einlassen auf das Geschehen, auf die Protagonisten?

Es gibt Bücher, die mich in heitere Stimmung versetzen, die mich beflügeln, die meinen Blick weiten. Es gibt Bücher, die mich in eine Welt mitnehmen, die ich normalerweise nicht selber erleben kann. Indem ich mich darauf einlasse und die Zeit vergesse, erlebe ich mich neu, in einer anderen Verfassung. Und mein Zeitgefühl erweitert sich.

 

Anikó Thesen

Wo will ich Yoga üben: In meiner Wohnung oder im Yogastudio. Was macht den Unterschied aus?

Zuhause üben ist so einfach.

  • Ich brauche das Haus nicht zu verlassen.
  • Ich spare Zeit
  • Ich kann meine Zeiten zum Üben selbst wählen.
  • Ich kann üben, wenn ich in Stimmung bin.
  • Ich kann üben, wenn ich Zeit habe.

Was ist das Besondere, wenn ich in der Gruppe Yoga praktiziere?

  • Es gibt einen festen Tag, eine feste Uhrzeit. Der Termin ist fest eingetragen. Und ich gehe hin. Das ist der erste Schritt. Eine gute Idee wird in die Tat umgesetzt. Der Weg zum Yoga, ist oft eine Fahrtzeit mit dem Rad oder mit dem Auto. Auf dem Weg bin ich schon im Yoga.
  • Der Raum für Yoga steht bereit. Ich komme an. 90 Minuten kann ich mich ganz den Übungen hingeben. Hier gibt es keine Ablenkung. Es ist wie ein Ausflug, gleich einem “Ausfliegen” aus dem Alltagsgeschehen.
  • Die Praxis des Übens bedeutet: Ankommen. Die Sitzhaltung der Meditation dient der Einstimmung. Danach folgen die ASANAS. Ich werde durch das Üben hindurch geführt.
  • Die Stimme des Yogalehrers führt mich behutsam und stetig durch die ASANAS. Das hilft mir sehr, bei der Sache zu bleiben, nicht auszubüxen. Hinzu kommt die Korrektur. Im Positiven bekomme ich Hinweise, wie ich eine Haltung verbessern kann. Die Iyengar Yoga Methode baut auf sehr genaue präzise Ausführung auf.
  • Der Prozess des Übens bewirkt eine innere Veränderung. Wenn ich aufgelöst oder aufgeregt in die Stunde komme, kann ich durch das konzentrierte Üben mich selbst beeinflussen. Und ich stelle fest, dass es mir danach besser geht. Wenn ich müde, antriebsschwach oder bedrückt die Stunde beginne, dann weiß ich aus Erfahrung. Der Anfang ist gemacht. Das war die größte Hürde. Und Yoga bedeutet nichts anderes: HIER und JETZT beginne. Betrete das Territorium. Mache selbst die Erfahrung.

Ich selbst gehe regelmäßig und gerne zu meinen Lehrern und bin sehr dankbar, dass ich immer wieder die Erfahrung machen darf.

Aniko Thesen

Anfänger sein ist ein wahres Privileg. So vieles haben wir schon lernen dürfen, in unserem bisherigen Leben. Jeder Erwachsene erinnert sich an das Erlernen der Schreibschrift. Das war in der ersten Grundschulklasse. Auf einer Linie reihten sich die Bögen und Kringel. Damals waren wir Anfänger. Und wir lernten den Stift zu führen, die Bögen nachzuzeichnen. Das war die Übertragung vom Kopf in die Feinmotorik.

Diese Aufgabe nannte sich: ÜBEN.

Yoga ist eine Disziplin. Es ist die Disziplin des Übens, des Tuns.

Wir haben die Freiheit, uns für das Üben zu entscheiden. Und Üben erlaubt uns immer wieder, Anfänger sein zu dürfen.

Anfänger in der Achtsamkeit, wenn ich meine Bewegungen verfolge.
Anfänger in der Achtsamkeit, wenn ich auf meinen Atem lausche.
Anfänger sein, wenn ich auf meine Worte höre.
Anfänger sein, wenn ich etwas betrachte.
Anfänger sein, wenn ich ein Musikstück anhöre oder ein Theaterstück anschaue.

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir als Anfänger an die Dinge herantreten. Wir assoziieren und sind beeinflusst vom Wiedererkennungseffekt. Wir neigen dazu, zu vergleichen, zu bewerten. Und sogleich verlassen wir unseren Anfängerstatus.

Es bedarf der ständigen Erinnerung. Yoga hilft uns dabei.

Die Yogapraxis beginnt mit dem stabilen Sitz. Und damit leitet sich die absolute Stille ein. Stille heißt hier: wieder zum Anfang zurückzukehren.

10 Minuten in diesem Sitz verweilen, ist die erste elementare Übung. Das ist die erste Übung, auch für den Fortgeschrittenen.

Und das ist der Auftakt, wieder zu beginnen.

Vor kurzem machte ich eine tolle Erfahrung. In einem großen Auditorium saßen die Menschen in großer Spannung. Sie waren in Erwartung. Sie erwarteten eine schillernde Persönlichkeit, einen Menschen, der Ihnen bekannt war. Er ist ein Kabarettist, ein Fernsehmoderator.

Sie brachten ihm einen großen Applaus entgegen. So wie das oft geschieht, vielleicht als Begrüßung? Vielleicht auch als vorweggenommenen Dank? Bisher war ja noch nichts passiert.

Dann kam die Stille. Diese bekannte Persönlichkeit leitete diese Stille ein. Dann setzte er sich an ein schlichtes kleines Pult. Er lächelte alle an. Er nahm jeden einzelnen Zuhörer, Zuschauer mit seinem Blick wahr. Und nach dieser stillen Minute öffnete er das Buch.

Hören, Zuhören“Ich lese Ihnen was vor”, das waren seine einleitenden Worte. Und dann gab es nur noch das aufmerksame Zuhören.

Die kurze Geschichte, die er vorlas, “machte sich auf den Weg” zu den Zuhörern. Und sie kam an.

Wir erinnern uns alle noch an die Zeit in unserer Kindheit. Wir konnten noch nicht die Buchstaben zum Text umwandeln. Also wurde uns vorgelesen.

Dieses Vorlesen war meist ein Ritual zum Einschlafen. Und manche Geschichten waren auch nicht gerade beruhigend. Und trotzdem konnte man einschlafen.

Was war passiert? Vorlesen bedingt, dass man eng zusammensitzt. Die Hörweite und auch der gemeinsame Blick ins Buch verlangen dies. Diese Nähe ist die Zuwendung. Ich erinnere mich noch heute an vorgelesene Märchen und Gedichte. Und das Besondere: Ich habe bis heute in Erinnerung, was sie in mir auslösten. Und ich bin sicher, sie haben mich begleitet in meiner Entwicklung.

Als Erwachsene sind wir nicht mehr darauf angewiesen, dass uns jemand etwas vorliest. Wir haben das Lesen ja erlernt. Was unterscheidet das Vorlesen jetzt?

Es ist ein Zu-hören. Wir werden aufmerksam. Und mit dieser erhöhten Aufmerksamkeit nehmen wir viel mehr wahr als nur den Text. Der Intellekt erfasst den Inhalt, die Geschichte. Und das Herz ist bereit, die Botschaft aufzunehmen.

Genau das ist passiert in dem großen Auditorium. Eine kleine Geschichte, die vorgelesen wurde, ist angekommen. Sie hat alle erreicht. Und sie hat in ihnen etwas bewirkt, etwas was nachhaltig ist.

Anikó Thesen-Marosváry

 

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Wer kennt nicht diesen Spruch?  Ich habe diesen Spruch schon als Kind gehört und er hat sich mir eingeprägt. Denn es war meine geliebte Großmutter, die das sagte.

Es waren nicht nur Worte. Sie wusste, wie man etwas zauberte, und sie bereitete das Richtige vor. Sie verbreitete eine gute Stimmung. Wir waren in Erwartung. Wir verfolgten, dass ein Hefeteig seine Zeit brauchte und wir wussten, dass bald der Duft die Wohnung durchströmen würde. Diese Vorfreude war schon das Beste.

Ich beobachtete schon als Kind, wenn jemand bedrückt war. Denn meine Großmutter nahm es ohne Worte wahr. Sie war so fix und hatte immer etwas parat, etwas zum Essen. Das konnte eine Suppe sein, ein Butterbrot.

Dieses Essen ging immer damit einher, dass sich die Menschen an den Tisch setzten und sich gegenseitig zuwendeten.

Meine Erfahrung war die: Wenn mir jemand ein Essen zubereitet, dann steckt da sehr viel Liebe drin.

Heute hat sich vieles verändert. Wir können überall essen, zu jeder Zeit und prompt etwas zum Essen kaufen. Wir können einsam essen. Wir brauchen nicht auf die Mahlzeiten zu warten. Das Hungergefühl ist augenblicklich gestillt.

Viele klagen, dass sie einige Pfunde zu viel haben. Eine Diät muss her.

Das Essen bekommt einen neuen Stellenwert. Es wird ausgesondert: “Das darf ich essen, das darf ich auf gar keinen Fall “, “vegan ist gesund”, “vegetarisch ist moralisch richtig”.

Wir Menschen sind verblendet. Alles dreht sich um das Körperliche. Und unsere Seele? “Essen hält Leib und Seele gesund”.

Nur hin und wieder erlauben wir es uns, die eigenen Gewohnheiten zu durchbrechen. Wir sind z.B. eingeladen und unser HERZ geht auf.

Wenn wir etwas genießen wollen, dann gehört auch das Warten dazu. Erst wenn ich eine Pause einlege, auch ein Hungergefühl aushalte, dann erst wird das Essen wieder ein Fest für mich sein.

Und ich entdecke von neuem: Essen hält Leib und Seele zusammen.

Anikó

Es kommt vor, dass wir ein Buch gelesen haben und es lässt uns nicht mehr los. Wir legen das Buch zur Seite, wir vergessen vielleicht den Inhalt, und trotzdem lebt es in uns weiter. Etwas ist passiert, dieses Buch hat Spuren in uns hinterlassen.

Von einem Buddha Museum hatte ich schon vor vielen Jahre gehört. Dieses Museum zeigt die schönsten und kostbarsten Buddha Statuen, in allen Größen, aus allen Zeit Epochen, aus einem Großteil der Welt.

Jetzt war der Moment gekommen, die Gelegenheit war da, das Museum zu betreten. Und ich war überwältigt. Die lebensgroßen Statuen empfingen mich bereits am Eingang. Ich hatte ein neues “Buch” aufgeschlagen. So wurde ich in den Bann gezogen.

Wir kennen diese Skulpturen in allen Varianten, stehend, sitzend. Da sitzt eine männliche Figur im Lotussitz, die Hände in einer typischen Haltung. Die Augen sind geschlossen. Die Sitzhaltung zeigt eine lebendige Stabilität.

Eine Stille geht von ihr aus, man kann sie fast “hören”, die STILLE. Und so wandele ich weiter von einer Statue zur nächsten. Ich beginne zu “lesen”. Ich lese in den Gesichtern, in der Körperhaltung. Ich entdecke viele Details. Sie alle zeigen eine Gemeinsamkeit.

Immer ist es diese Körperhaltung, die eine gewisse Würde ausstrahlt. Immer ist es der Ausdruck des Gesichtes, die Augen, die nach innen gerichtet sind. Die Skulpturen schauen mich nicht an. Ich schaue die Figuren an. Ich schaue sie fragend an. Eine Antwort bekomme ich nicht. Die Stille ist die Antwort.

Inspiration - Buddha

Dann sehe ich genauer hin. Ich suche nach den Künstlern, die sie geschaffen haben. Sie sind nicht bekannt, sie tragen keine Namen. Es gibt Jahreszahlen. Aus welchen Epochen stammen sie?

Die ältesten Buddha- Statuen sind fünf Jahrtausende alt. Die Arbeiten an den Skulpturen zeigen große künstlerische Feinheiten. Plötzlich bin ich berauscht. Wer immer diese Künstler waren, SIE haben den Geist des Buddha erfasst.

Sie wurden inspiriert durch ihr Tun.

Der Begriff Buddha kommt aus dem Sanskrit und bedeutet: Erwachter.

Siddhartha Gautama lebte um 500 vor Christus in Nordindien. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. Erst auf seinen Wanderungen sah er unendlich viel Leid. Er erkannte, dass Altern, Krankheit, Schmerz und Tod untrennbar mit dem Leben verbunden sind. Er suchte nach einem Weg, mit dem Leid umzugehen.

Dieses Buddha-Museum ist geographisch so nah, keine Autostunde von Trier entfernt.
Ich habe es endlich entdeckt. Der Blick in das Innere dieser Skulpturen hat mich bewegt und inspiriert.

Ich danke der Familie Preuß, die uns mit diesem großartigen Museum in Traben-Trarbach ein großes Geschenk gemacht hat.

Anikó Thesen – Marosvary

Heute erscheint uns der Begriff „Retreat“ als sehr modern und er ist gerade in aller Munde. Aber es gab schon immer dieses Bedürfnis, sich für eine bestimmte Zeit aus dem Tagesgeschehen zurückzuziehen.

In der heutigen Zeit sind es oft die Manager, die Vielbeschäftigten, die Gestressten, die bewusst einen Rückzug suchen. Hier bedeutet Rückzug vor allem, einmal nicht erreichbar zu sein.

Aus der Schülerzeit kennen wir vielleicht noch die Zeit der EXERZITIEN, manchmal EINKEHRTAGE genannt. Das hatte den Schwerpunkt der geistigen Übungen und war meist religiös geprägt.

Sehr gerne erinnere ich mich persönlich an diese Zeiten. Hierfür wurden meist eine Woche oder mindestens 4 Tage anberaumt. Und es war ein besonderer Ort, nämlich ein Benediktiner-Kloster. Wir hatten die Gelegenheit, in dieser Zeit am Klosterleben teilzuhaben. Die Mahlzeiten durften wir mit den Mönchen gemeinsam im Refektorium einnehmen. Der Schwerpunkt war sicher nicht das kulinarische Erlebnis des Essens. Das Geistige stand im Vordergrund. Schweigen während des Essens war ohnehin ein freiwilliges Gebot. Was ich persönlich beeindruckend fand war, dass einer der Mönche während der Mahlzeit einen Text vorlas. Das war sozusagen die geistige Nahrung.

Überhaupt gestalteten sich die Mahlzeiten als eine Art Meditation. Man übte schweigend Achtsamkeit. Es war wichtig zu erkennen, wann man z.B. jemandem das Brot reichen konnte. Die Achtsamkeit bezog sich auf das soziale Verhalten und bot gleichzeitig die Gelegenheit, sich selbst genauer zu beobachten, vielleicht sogar den Unwillen, die Ungeduld bei sich selbst zu erkennen. Aber die Übung der Stille war ein Werkzeug, um damit umzugehen, nämlich abwartend, nicht bewertend, eher neugierig und offen für das Neue und Unbekannte. Die Disziplin der Stilleübung war ein unbekanntes Territorium. Ich bin überzeugt, dass mich diese Erfahrungen in meinen frühen Jahren sehr geprägt haben. Und ich bin dankbar dafür.

Auch heute suchen wir oft die Gelegenheit für einen Rückzug, „Retreat“, vielleicht nicht mit dem Anspruch, während dieser Zeit nur zu schweigen. Schon ein Ortswechsel, ein ruhiger Ort, z.B. in den Bergen oder bewusst die Einfachheit einer Hütte ohne Komfort zu erleben, ist ein Weg zum Rückzug. Genau dieses Umfeld bietet uns die Gelegenheit, sich selbst neu wahrzunehmen.

Wenn ich heute persönlich ein Yoga-Retreat anbiete, dann fühle ich diesen Geist, der mitschwingt. Wir haben mit YOGA ein wunderbares Instrument an der Hand. Das sind die Körperübungen, genannt Asanas, und die Techniken des PRANYAMA, gemeint sind die Atemübungen und die Übungen der Meditation.

Im Rahmen des YOGA- Retreats nimmt die Praxis der Übungen einen festen Platz ein. Vormittags von 9:30-11:00 Uhr und am Nachmittag von 17:00-18:30 Uhr. Es ist wie ein Geschenk, sich ganz in das gegenwärtige Geschehen einlassen zu können. Die Zeit, die wir uns nehmen, ist ausschließlich dafür bestimmt.

Besonders im Parkschlösschen in Traben-Trarbach fanden wir die besten Bedingungen. Das Parkschlösschen ist ein 5-Sterne Ayurveda Hotel, mit einer besonderen, authentischen Philosophie. Es strahlt Ruhe aus und unterscheidet sich sehr in seinen Merkmalen von üblichen 5-Sterne Hotels. Wir haben an diesem Ort eine Gourmet-Küche der Ayurveda-Kunst erfahren dürfen, die ihresgleichen sucht. Eine große Dankbarkeit erfüllte uns gegenüber den Köchen, die mit soviel Hingabe ein Essen zubereiten. Ein Schweigen während der Mahlzeiten war gar nicht vorgesehen, jedoch stellte sich während des Essens eine Stille ein, die erfüllt war von Respekt und Dankbarkeit.

In diesem Rahmen konnten wir ganz neue Erfahrungen machen. Wir sind oft mit Gewohnheiten „verwachsen“. Wir glauben, dass uns etwas fehlt, wenn die Gewohnheiten nicht erfüllt werden.

Die täglichen Yogaübungen weisen schon darauf hin, „schau dir deine Gewohnheiten an, blicke achtsam auf den Moment des Geschehens.“ Und genau diese Bereitschaft und Offenheit lässt uns neue Erfahrungen machen. Wo ein Raum bereits gefüllt ist, findet nichts Neues mehr einen Platz. Die Übung lautet in diesem Sinne. „Suche die Stille, erfahre den Raum der Leere“.

Die Stunden zwischen Yogapraxis, Meditation, Massageanwendungen und Essen erfüllten alle Teilnehmer/Innen wie durch einen Zauber. Eine Heiterkeit und Freude breitete sich aus. Die Kunst der Unterscheidung stellte sich ein: „Was ist wirklich wichtig und von Bedeutung?“

Für einen kurzen Moment konnte man die wahren Werte des Lebens erblicken, wie ein Aufleuchten. Diesem Aufleuchten möchte ich persönlich weiterhin auf der Spur bleiben. Mal ist sie verwischt oder gar völlig im Dunkeln verschüttet, aber wissend, sie einmal entdeckt zu haben, macht Mut, dran zu bleiben.

Anikó Thesen-Marosváry

 

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