Anikó Thesen

Anfänger sein ist ein wahres Privileg. So vieles haben wir schon lernen dürfen, in unserem bisherigen Leben. Jeder Erwachsene erinnert sich an das Erlernen der Schreibschrift. Das war in der ersten Grundschulklasse. Auf einer Linie reihten sich die Bögen und Kringel. Damals waren wir Anfänger. Und wir lernten den Stift zu führen, die Bögen nachzuzeichnen. Das war die Übertragung vom Kopf in die Feinmotorik.

Diese Aufgabe nannte sich: ÜBEN.

Yoga ist eine Disziplin. Es ist die Disziplin des Übens, des Tuns.

Wir haben die Freiheit, uns für das Üben zu entscheiden. Und Üben erlaubt uns immer wieder, Anfänger sein zu dürfen.

Anfänger in der Achtsamkeit, wenn ich meine Bewegungen verfolge.
Anfänger in der Achtsamkeit, wenn ich auf meinen Atem lausche.
Anfänger sein, wenn ich auf meine Worte höre.
Anfänger sein, wenn ich etwas betrachte.
Anfänger sein, wenn ich ein Musikstück anhöre oder ein Theaterstück anschaue.

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir als Anfänger an die Dinge herantreten. Wir assoziieren und sind beeinflusst vom Wiedererkennungseffekt. Wir neigen dazu, zu vergleichen, zu bewerten. Und sogleich verlassen wir unseren Anfängerstatus.

Es bedarf der ständigen Erinnerung. Yoga hilft uns dabei.

Die Yogapraxis beginnt mit dem stabilen Sitz. Und damit leitet sich die absolute Stille ein. Stille heißt hier: wieder zum Anfang zurückzukehren.

10 Minuten in diesem Sitz verweilen, ist die erste elementare Übung. Das ist die erste Übung, auch für den Fortgeschrittenen.

Und das ist der Auftakt, wieder zu beginnen.